Streuobst

Die Landschaft zwischen Inn und Salzach wird geprägt von vielen auch als „Obstanger“ bezeichneten Streuobstbeständen, die sich vor allem um die Einzelhöfe und am Ortsrand, aber stellenweise auch in der freien Flur finden.
Sie besitzen eine hohe ökologische Bedeutung (Bienen, Vögel, Insekten, Fledermäuse) und bilden einen „weichen“ Übergang zwischen Bebauung und Landschaft oder sie stellen wertvolle innerdörfliche Grünräume dar. Außerdem liefern sie Frischobst, Saft, Most, Obstbrand und Honig für die Selbstversorgung oder zur regionalen Vermarktung.

Viele dieser Streuobstwiesen weisen infolge fehlenden Nutzungsinteresses einen überalterten oder vernachlässigten Baumbestand auf und sind daher kurz- bis mittelfristig vom Verschwinden bedroht.
Grund dafür ist vor allem der relativ hohe Pflegeaufwand bei geringem Ertrag der überalterten Bestände, wodurch eine Nutzung aus rein betriebswirtschaftlicher Betrachtungsweise unrentabel ist.
Allerdings zeigt sich, dass viele Besitzer von Streuobstwiesen eine emotionale Bindung zu "ihren" oder den von ihren Vorfahren übernommenen Obstbäumen aufgebaut haben und das Obst nach wie vor zur Selbstversorgung nutzen.

Kern des Projektes ist es, überalterte Streuobstbestände in den Landkreisen Traunstein und Altötting durch den fachgerechten Schnitt alter Bäume (Auslichtungsschnitt), der sich auch an ökologischen Erfordernissen orientiert, zu verjüngen und damit einen Beitrag zu deren dauerhafter Erhaltung zu leisten.

Darüber hinaus übernehmen die Landschaftspflegeverbände auch - wie bisher schon - die zur Verjüngung der Bestände notwendigen Nachpflanzungen von jungen Obstbäumen, wobei hier Förderprogramme des Freistaats Bayern in Anspruch genommen werden.

Interessierte Besitzer von Streuobstwiesen können sich an die Geschäftsstellen wenden.

 

Fördergegenstand

  • Auslichtungsschnitt
    von 500 alten Obstbäumen (maximal 5 Bäume pro Obstwiese) und ordnungsgemäße Verwertung des Schnittgutes;  Auswahl der zu schneidenden Bäume durch Jürgen Sandner (Dipl.-Ing. FH Landespflege) und Reinhard Klett (Dipl.-Biol.) nach fachlichen Kriterien, so dass nicht nach dem Gieskannenprinzip, sondern nach Ausgewogenheit und dem konkreten ökologischen Zustand der jeweiligen Streuobstwiese bewertet wird. Teilnehmen können alle landwirtschaftlichen Betriebe, die mindestens 10 alte und schnittbedürftige Hochstamm-Obstbäume im Umfeld Ihres Anwesens haben und in den letzten 10 Jahren Nachpflanzungen zum Erhalt Ihres Bestandes durchgeführt haben (Beleg für das Interesse des Eigentümers am Fortbestand der Streuobstwiese).
  • Öffentlichkeitsarbeit
    Auftaktveranstaltung auf modellhafter Streuobstwiese, die möglichst zentral im Projektgebiet liegt und dem Anforderungsideal (Nähe Siedlung, hochwertiger alter Baumbestand, weitere ökologische interessante Strukturen wie Teich, Hecken, hoher Erholungswert, evtl. Schulbauernhof, bereits bestehende Direktvermarktung) nahe kommt; Information und Vernetzung von Multiplikatoren (z. B. Ortsobmänner der Landwirte, Gartenbauvereine, Imker, Kleinbrenner, Bürgermeister) Begleitende Berichterstattung / Werbung in den regionalen Medien
  • Unter allen Bewerben/Teilnehmern werden 75 Bücher „Farbatlas alte Obstsorten“ des Ulmer-Verlags zum Stückpreis von 17,99 € verlost.

Projektlaufzeit: Sommer 2004 - Herbst 2005

Zusatzinfos

Ziele - Nutzen

Ziel des Projektes ist es,

  • die Bedeutung des Themas Streuobst mit seiner gesamten Vielfalt hervorzuheben,
  • dadurch die ökologisch wertvollen Streuobstwiesen zu erhalten bzw. zu fördern,
  • die Besitzer von Streuobstwiesen bei notwendigen Pflegemaßnahmen zu unterstützen,
  • das Interesse der Öffentlichkeit am Thema Streuobst zu wecken bzw. zu fördern
  • den Erholungswert der Landschaft zu erhalten und zu entwickeln und somit auch die Verbindung zwischen Landwirtschaft und Siedlung zu verbessern
  • und somit insgesamt einen Beitrag zum Erhalt der Streuobstkultur zu leisten.
  • Ökonomische Aspekte
    Durch den modellhaft geförderten Schnitt und der damit einhergehenden Qualitätssteigerung der Früchte (Vermarktung) soll das Interesse an der weiteren Pflege der überalterten Bestände und damit an deren Erhaltung geweckt werden.
  • Ökologische Aspekte
    Alte Streuobstbestände, die mittelfristig zusammenbrechen würden, werden durch Schnitt - und den damit verbundenen unmittelbaren ökonomischen Vorteil des Besitzers -  auch langfristig gesichert.
  • Soziale Aspekte
    Der gesteigerte Erholungswert der Landschaft kann die sozioökonomische Verbindung zwischen Land- und Stadtbevölkerung verbessern. Die Pflege und insbesondere die Ernte von Obstwiesen führt Menschen zusammen und erhält gewachsene dörfliche Strukturen.

Das Projektgebiet deckt die Landkreise Traunstein (4 Städte, 31 Gemeinden) und Altötting ( 4 Städte und 20 Gemeinden) mit insgesamt 550 km² ab.

 

 

Nutzen

  • Der Erhalt von Streuobstwiesen ist ein Beitrag zur Bewahrung der traditionellen Kulturlandschaft, die als „weicher Standortfaktor“ ein wesentliches Kapital für den Tourismus und die Lebensqualität der Bevölkerung ist.
  • Die Lebensräume vieler z. T. seltener Tier- und Pflanzenarten werden durch den Erhalt der Streuobstwiesen gesichert.
  • Die Vielfalt der Obstsorten wird auch für die Zukunft erhalten, alte regionale Obstsorten werden vor dem Verschwinden bewahrt.
  • Bäuerliche Familienbetriebe können über die Vermarktung von Streuobstprodukten ein Zusatzeinkommen erwirtschaften.
  • Da die Schnittarbeiten v. a. von fachlich qualifizierten Landwirten (v. a. geprüfte Natur- und Landschaftspfleger) ausgeführt werden sollen, können sich diese gerade in der arbeitsschwachen Zeit im Winterhalbjahr einen Zuerwerb erwirtschaften. Durch die bei den Schnittarbeiten entstehenden Kontakte mit Obstwiesenbesitzern können sich für diese Landwirte auch langfristige Perspektiven entwickeln.

Kontakt

Landschaftspflegeverband Altötting e.V.
Reinhard Klett
Bahnhofstrasse 38
84503 Altötting
08671/502-128 gesch.
LPVAltoetting.Klett@t-online.de

Landschaftspflegeverband Traunstein e. V.
Jürgen Sandner
Ludwig-Thoma-Str. 3
83278 Traunstein
Tel.: 0861/58539
Fax: 0861/58340
sandner.lpv@lra-ts.bayern.de